„Selbstretten“ wurde geübt

Der letzte Ausweg muss geübt werden

Zweites Obergeschoss im brennenden Wohnhaus, der Rückweg versperrt und keine rettende Leiter
in Sicht. Das ist ein wahrer Feuerwehr-Albtraum. In so einer Situation kann das Fenster im zweiten
oder dritten Obergeschoss der einzige Ausweg sein. Eine Gruppe der Feuerwehr Cloppenburg hat am
vergangenen Mittwoch geübt, wie sie sich mit Hilfe der 30 Meter langen Fangleine und dem
Feuerwehr-Sicherheitsgurt aus dem zweiten Obergeschoss abseilen können. „Selbstretten“ sagen die
Feuerwehrleute dazu. Es gibt dabei einiges zu beachten, alles muss passen. Was ist ein sicherer
Festpunkt und wie wird die Fangleine daran befestigt? Nur der korrekt ausgeführte Bremsknoten am
Sicherheitsgurt macht die Fahrt nach unten kontrollierbar.

Übungsobjekt ist das Parkhaus am Schwimmbad. Lukas Wevering steht fertig angeleint auf dem
zweiten Parkdeck. Er ist bereit zum Übersteigen. Den festen Boden des Parkdecks zu verlassen und
sich dann ein kleines Stück in das Seil fallen zu lassen, das ist der unangenehmste Teil der Übung.
Bevor Wevering über die Brüstung klettert und sich dann auf den Weg nach unten macht, haben die
beiden Gruppenführer Andre Siemer und Oliver Karg noch einmal alles sorgfältig kontrolliert. Die
Knoten, das Seil, alles muss hundertprozentig sicher sein. Fehler in der Vorbereitung können tödliche
Folgen haben. In der Ausbildung wird daher grundsätzlich doppelt gesichert.

Lukas Wevering und seine Kameraden tragen zusätzlich ein professionelles Klettergeschirr. Reißt die
Fangleine oder versagt ein Knoten, fallen sie einigermaßen sanft in ein zweites, spezielles Seil. Dieses
Seil wird von einem Sicherungsmann auf dem Parkdeck geführt und kontrolliert. Auch hier wird ein
Bremsknoten eingesetzt, ein Halbmastwurf. Der ermöglicht es dem Sicherungsmann, seinen im Seil
hängenden Kameraden mit minimalem Kraftaufwand zu stoppen oder ganz langsam herabzulassen.
An diesem Abend geht alles glatt, so wie immer. Aber auf die zusätzliche Sicherung verzichten will
niemand, das ist auch nur in dem Notfall erlaubt, der hoffentlich nie eintritt. Aber Lukas Wevering
und seine Kameraden wären zumindest gut vorbereitet.